Familie (von) Alt

der Vater, Jakob Alt:

Jakob Alt wurde am 27. September 1789 in Frankfurt am Main geboren und starb am 30. September 1872 in Wien. Er war ein österreichischer Landschaftsmaler, Zeichner und Lithograf. Bevor Jakob Alt ab 1811 an der Wiener Akademie die Historienmalerei bei Friedrich August Brand und Martin von Molitor studierte, hatte er schon einige Unterrichtsstunden im Fach Kunst in seiner Heimatstadt Frankfurt erhalten. Durch viele Studienreisen in die österreichischen Donau- und Alpengegenden bildete er sich selbst als Landschaftsmaler aus. 1811 heiratete er Anna Schaller und 1812 erblickte Rudolf als erstes von acht Kindern das Licht der Welt. Er beschäftigte sich in den nächsten Jahren vor allem mit der Anfertigung von Vorlagen für lithographische Landschaftszyklen, die zu dieser Zeit sehr beliebt waren. 1818 bereiste er im Auftrag Adolf Friedrich Kunikes die Donau, um Vorlagen für eine lithografische Serie, die den Lauf der Donau vom Ursprung bis zur Mündung ins schwarze Meer darstellen sollte, zu liefern. Ab 1828 arbeitete Jakob Alt an der Serie „Bilder aus den Alpen der österreichischen Monarchie“, ab 1832 für die lithographische Serie „Wiens Plätze und Umgebungen“. In den Jahren 1828 und 1833 bereiste er zweimal Oberitalien und hielt sich auch einige Zeit in Rom auf. In späteren Jahren arbeitete Alt hauptsächlich als Aquarellist (Ansichten von Rom für Kaiser Ferdinand I.) und lieferte einen großen Teil der Vorlagen für das von Adolf Friedrich Kunike lithografierte und herausgegebene Sammelwerk „264 Donau-Ansichten nach dem Laufe des Donaustromes …“, das in Wien von 1820 bis 1826 herausgegeben wurde. Er erstellte außerdem eine Reihe weiterer Ansichtenfolgen, unter anderem die „Malerische Donaureise von Engelharts-Zell bis Wien“. Seine in den folgenden Jahren (ab 1849) entstandenen botanischen Ansichten sind im  über 400 Blatt fassenden „Herbarium“ gesammelt und befinden sich heute in der Sammlung des niederösterreichischen Landesmuseums.. Jakob Alt war der Vater und erste Lehrer seiner Söhne Rudolf und Franz Alt, aber auch die Kinder Karl und Lidwina halfen in der Werkstatt des Vaters mit, seine Lithographien zu kolorieren. Eine letzte Reise führte Jakob Alt nach Mähren und Schlesien, wo eine noch lithografische Serie mit Industriemotiven entstand. 1872 starb Jakob Alt kurz nach seiner Frau.

und sein Sohn, Rudolf (Ritter) von Alt:

Rudolf von Alt wurde am 28. August 1812 in der Alservorstadt (im heutigen Wien) geboren und starb am 12. März 1905 in Wien. Rudolf, welcher sich später den Titel „Ritter von Alt“ verdiente war ein österreichischer Maler und Aquarellist. Er war der Sohn des gemeinhin bekannten Malers Jakob von Alt (1789–1872) und dessen Gattin Maria Anna Schaller (1790–1872). Auch sein jüngerer Bruder Franz Alt (1821–1914) war Maler. Er lernte bei seinem Vater in dessen Werkstatt und kolorierte bereits als Kind mit seinen Geschwistern Karl und Lidwina des Vaters Lithografien. Der Vater nahm ihn auch häufig auf seinen Reisen mit. Zu Weihnachten 1817 stand im Hause Alt bereits ein damals noch ganz neuer geschmückter Christbaum. Zwischen 1825 und 1832 war Alt Schüler der Wiener Akademie, ab 1826 in der Landschaftsklasse von Josef Mössmer. Schon bald erhielt er dort einen 1. Preis und stellte 1830 erstmals seine Werke an der Schule aus. Vater und Sohn machten ausgehende Reisen durch die Länder der Monarchie und arbeiteten so eng zusammen, dass es oft nicht möglich ist, zu entscheiden von wem ein bestimmtes Bild geschaffen wurde. Der Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit waren die sogenannten „Guckkastenbilder“ für den späteren Kaiser Ferdinand I. 1835 lernte Alt auf einer Studienreise in Italien Moritz von Schwind und den bayerischen König Ludwig I. kennen. Von 1841 bis zu deren Tod 1843 war er mit Hermine Oswald aus Wien verheiratet. Im Jahr 1846 heiratete er seine zweite Gattin Berta Malitschek aus Troppau. Im Revolutionsjahr 1848 stellte sich Rudolf von Alt in Wien als Bürgergardist zur Verfügung. Seine Familie schickte er vorsichtshalber zu den Schwiegereltern nach Troppau. Als dann Mitte Oktober 1848 die Ereignisse in der Hauptstadt dem Bürgergardisten Alt zu radikal wurden, verließ er zusammen mit dem damals sechzehnjährigen Ludwig Passini (1832–1903) fluchtartig Wien. Im niederösterreichischen Traismauer nahmen sie zusammen ein Notquartier im Gasthof Hofkirchner (heute Gasthof zum Schwan). In seinen Lebenserinnerungen schrieb er dazu, „ich war im Jahr 1848 National-Gardist, aber ich ging sehr bald nach Traismauer, wo meine Leute wohnten“. Auf einem Briefkuvert hielt er die Situation in schneller Skizze fest und malte auch in zwei dokumentierten Werken Bauernhäuser in Traismauer. Seit 1848 war er auch Mitglied in der Akademie, die dazugehörige kaiserliche Bestätigung gabs aber erst 1866. Alt unternahm Studienreisen durch ganz Europa, so auch 1863 auf die Krim, 1864 nach Deutschland und 1867 nach Italien. 1867 wurde er Mitglied der Berliner Akademie und im Jahr 1879 sogar Professor an der Wiener Akademie. Auch im höheren Alter war er an den neuesten Entwicklungen in der Kunst interessiert und war deshalb auch 1897 eines der Gründungsmitglieder der Wiener Secession, deren Ehrenpräsident er im selben Jahr wurde. Erst in diesem Jahr suchte er um die Erhebung in den Adelsstand an und durfte seinem Namen ab da das von voranstellen. Rudolf von Alt verkehrte gerne im „Goldenen Löwen“ in der Josefstadt, wo er mit den Literaten Ludwig Anzengruber und Vinzenz Chiavacci verkehrte.

Seit 1841 wohnte er in der Skodagasse 11, wo er auch starb. Am Haus befindet sich eine Gedenktafel für ihn. Er erhielt ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 A, Nummer 52), das von Josef Engelhart gestaltet wurde. Rudolf von Alt ist einer der populärsten Wiener Künstler des 19. Jahrhunderts. Seine Leistung lag in der meisterhaften Beherrschung des Aquarells. Er schuf über 1000 Aquarelle, die topografisch genau und atmosphärisch stimmungsvoll das Österreich der damaligen Zeit, sowohl Landschaften als auch vor allem die Architektur, festhalten. Allein 100 mal stellte er den Stephansdom in Wien dar. Bekannt wurden auch seine Atelierbilder des Malers Hans Makart. Außer seinen Aquarellen malte Alt nur verhältnismäßig wenige Ölbilder. Erst 2011 konnte ein Werkverzeichnis der rund 150 Ölgemälde erscheinen. Zu seinen Förderern gehörte unter anderem der Kunstsammler Jakob Gsell.

gemeinsame & einzelne Werke:

Im Auftrag von Kaiser Ferdinand I. entstanden zwischen 1830 und 1849 annähernd 300 Stadt- und Landschaftsansichten, die die Schönheiten des Österreichischen Kaiserreiches und der angrenzenden Länder dokumentieren sollten. Die Werke stammen von der Hand der besten Aquarellisten der Zeit: Jakob und sein Sohn Rudolf von Alt, Eduard Gurk und Leander Russ. Von den über 300 großformatigen und bildhaft ausgeführten Aquarellen sind heute noch 281 nachweisbar. Gut 170 großformatigen und bildhaften Aquarelle werden der Familie von Alt zugeordnet. Die Albertina verwahrt 227 Werke. Etliche weitere Blätter befinden sich im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (24) und auf Schloss Konopiště bei Prag (30). Die Serie ist auch als „Guckkastenserie“ bekannt und beinhaltet Wiener Veduten um 1800 genauso wie ihre nähere Umgebung. Sie stammen von Jakob und Rudolf von Alt und sind Beispiele für die „Teamarbeit“ der beiden Künstler, die sich durch die gesamte Guckkastenserie zieht. Alle Blätter sind von Jakob als Auftragnehmer des Hofes signiert. Tatsache ist jedoch, dass von den rund 170 Werken der von Alt`s 46 Rudolf geschaffen hat. Dies wurde 1892 in einem Protokoll festgehalten. Jakob und Rudolf von Alt haben aber auch auf ihren Reisen nach Italien, vom Norden über Venedig nach Rom und in die Campagna, bis an die amalfitanische Küste Annsichten geschaffen, genauso wie von der dalmatinischen Küste, den nordöstlichen Kronländern und Ungarn. 

Es gibt soviele einzelne Werke der beiden Künster, so das wir keine Garantie für die Vollständigkeit unserer Liste geben können. Hierzu lohnt sich z.B. ein Besuch auf der Homepage der Wiener Albertina.

 

  1. Schloß Laxenburg bei Wien (55 Blatt zwischen 1820 bis 1826 von Jakob Alt, Albert von Radmannsdorf, Fr. Spiegel, J. Rupp und K. Bschorr)

  2. Donau-Ansichten nach dem Laufe des Donaustromes von seinem Ursprung bis zu seinem Ausfluß in`s Schwarze Meer (264 Blatt). Herausgegeben von Adolph Kunike, etliche dieser Ansichten sind von Jakob Alt gezeichnet.

  3. Vorzüglicheste Ansichten des k. k. Salzkammergutes und dessen Umgebungen in Ober Oesterreich, der Natur nach aufgenommen und lithographiert von Jakob Alt in Wien 1825 (32 Blatt)

  4. Wiens Plätze und Umgebungen nach der Natur gezeichnet, Wien 1832 (12 Blatt)

  5. Bilder aus den Alpen der österr. Monarchie, besonders jener von Steyermark, Oesterreich, Salzburg, Kärnthen, Tyrol und der Lombardei (66 Lithographien), welche bei Mansfeld & Comp. 1833 in Wien verlegt wurden.

  6. Malerische Donaureise vom Ursprunge bis Belgrad. Nach der Natur gezeichnet von Jakob Alt und herausgebracht im lithographischen Büro von Mansfeld & Comp. (im Seitenstettnerhof in Wien) im Jahr 1833 (71 Lithographien in 4 Abteilungen mit je 8 Seiten Text

  7. Die malerischen und romantischen Donauländer, die meisten Ansichten von Jakob oder Rudolf Alt gezeichnet und von verschiedenen Personen lithographiert. Erschien zwischen 1838 und 1840 im Georg Wigand`s Verlag zu Leipzig

  8. Pesth und Ofen, 32 Zeichnungen von Rudolf von Alt und durch Xaver Sandmann lithographiert. Gedruck bei J. Rauh und 1845 herausgegeben im Verlag des C. A. Hartleben

  9. Um 1845 kam die „Malerische Donaureise“ unter dem Titel „Die Donau vom Ursprunge bis Belgrad“ in der selben Fassung (71 Lithographien) bei L. Förster`s artistischer Anstalt in Wien nochmals heraus.

  10. Wien aus dem Luftballon gesehen, gezeichnet von Jakob Alt, lithogrphiert bei Sandmann und gedruckt von J. Rauh. 3 braungetönte Lithographien mit je einer Seite Erläuterung, verlegt bei Josef Bermann um 1848 in Wien

  11. Malerische Donaureise von Engelhartszell nach Wien, nach der Natur von Jakob Alt gezeichnet und von X. Sandmann lithografiert. 50 Lithographien um 1850 von J. Rauh gedruckt und im Wiener Verlag des Josef Bermann erschienen

  12. Malerische Donaureise von Wien bis Ofen und Pesth, nach der Natur von Jakob Alt gezeichnet und von X. Sandmann lithografiert. 50 Lithographien um 1850 von J. Rauh gedruckt und im Wiener Verlag des Josef Bermann erschienen

  13. Wien. Album der schönsten Ansichten (42 getönte Lithographien um 1850 bei H. F. Müller`s Kunst und Musikalienhandlung in Wien herausgegeben, gezeichnet von Rudolf von Alt und lithographier von X. Sandmann)

  14. Reise von Gloggnitz nach Gratz in malerischen Ansichten, 17 Ansichten gezeichnet von Rudolf Alt im Verlag des H.F. Müller in Wien und um 1850 herausgegeben

  15. Donau-Album von Ingolstadt bis Haimburg, gezeichnet von Jakob Alt und seinem Sohn Rudolf (Ritter von) Alt, herausgebracht um 1850

  16. Grätz (in Österr. Schlesien), nach der Natur gezeichnet und lithographiert von Jakob und Rudolf Alt, gedruckt bei Rauh in Wien, um 1855

  17. Album zu Mährisch Ostrau, nach der Natur gemalt und lithographiert von Jakob Alt (9 Lithographien) und verlegt 1855 in Wien von der Anstalt von Reiffenstein & Rösch

  18. Blansko und dessen Umgebungen in Mähren nach der Natur gemalt und lithographiert von Jakob Alt (18 Tonlithographien), verlegt von Reiffenstein & Rösch um 1855 in Wien

  19. Ansichten von Wien, 24 Stahlstiche, davon 22 gezeichnet von Rudolf Alt gezeichnet und von anderen gestochen. Verlegt im Wiener Verlag des F. Paterno um 1865

  20. Album von Wien, 13 Chromolithographien nach Aquarellen von Rudolf (von) und Franz Alt. Herausgegeben 1872 von Ed. Hölzel in Wien

  21. Malerische Ansichten von Wien, gezeichnet von Rudolf Alt und lithographiert bei X. Sandmann (61 kolorierte Tonlithographien herausgegeben in Wien bei L.T. Neumann zwischen 1850 und 1873

  22. 1873, kam das Werk „Album von Wien“ nochmals heraus, allerdings mit 15 (statt vormals 13) Chromolithographien. Und im Jahr 1882 kam es nochmals zu einer Neuauflage, diesmal aber ident zu derer von 1873

Auch gab es noch einige Werke bei welchen Rudolf (Ritter von) Alt, nur einzelne Ansichten beisteuerte, so unter anderem:

  • Album von Prag und einigen der interessantesten Gegenden Böhmens (15 Stahlstiche, von 2 von Rudolf Alt stammen, um 1840)

  • Pittoreskes Souvenir an Wien und die schönsten Punkte seiner Umgebungen (12 Stahlstiche und davon 3 von Rudolf von Alt, um 1840)

  • Pittoreskes Souvenir an Prag und einigen der interessantesten Gegenden Böhmens (…), dabei 20 Stahlstiche und 3 von Rudolf Alt, um 1845

Quellenangabe:

  1. Ausstellung Jakob und Rudolf von Alt 2010 in der Albertina (unter: http://www.albertina.at/jart/prj3/albertina/main.jart?rel=de&content-id=1202307119260&ausstellungen_id=1229505194135)
  2. Rudolf Alt bei Wikipedia vom 18.08.2014 (unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_von_Alt)
  3. Jakob Alt bei Wikipedia vom 18.08.2014 (unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Alt)
  4. Austria-Forum „Alt, Jakob“ (unter: http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/Alt,_Jakob)
  5. Rudolf von Alt: mit einer Sammlung von Werken der Malerfamilie Alt, Herausgegeben von Walter Koschatzky (siehe auch unter google.books)
  6. Nebehay/Wagner, Nachschlagewerk „Bibliographie altösterreichischer Ansichtenwerke aus fünf Jahrhunderten