Johann Ulrich Kraus

(auch geschrieben Krauss, Krauß oder Krausen)

zu seiner Person:

Johann Ulrich Kraus wurde am 23.06.1655 als Sohn des Johann Jacob Kraus (ein Kistler in Augsburg) und der Ursula (geborene Uderbold) im bayrischen Augsburg geboren. Am 16.07.1719 verstarb er in seiner Geburtsstadt Augsburg. Johann Ulrich Kraus war ein sehr erfolgreicher deutscher Miniaturmaler, Zeichner,   Kupferstecher, Verleger und Herausgeber. Nachdem er wohl bei seinem Vater das Kistlerhandwerk erlernte und sich dabei etliche Fingerfertigkeiten aneignete, ging er bei dem Kupferstecher Melchior Küsel in Lehre und erlernte dort die Kunst des Stechens.

Dessen Tochter Johanna Sibylla nahm er im Jahr 1685 zur Frau. Bereits 1683, nach dem Tode des (verstorbenen, späteren) Schwiegervaters, übernahm er dessen Verlag und führte diesen erfolgreich weiter! Nachdem er, auch durch die Unterstützung seiner ebenfalls kupferstechenden Ehefrau, zu einem der bedeutendsten Stecher und Verleger des deutschen Reichs aufgestiegen war, lehnte er mehrere Angebote verschiedener Fürstenhöfe ab um sein so gut gehendes Unternehmen nicht aufgeben zu müssen! Dies erhielt allerdings 1703 bei der Belagerung der Stadt einen schweren Schlag, als das Haus brannte und viele Druckplatten vernichtet wurden. Seine Bedeutung gründet sich auf die große Zahl und Vielfalt seiner Erzeugnisse. Er war der produktivste und angesehenste Kupferstecher und Verleger der Jahrhundertwende. Sein mehr als 30 Jahre lang fruchtbares Schaffen, umfaßt die verschiedensten Gebiete des damaligen graphischen Interesses.

zu seinen Werken:

Johann Ulrich Kraus Stil war ganz im Zeitgeschmack des Hochbarock an französischen Vorbildern (Leclerc und Lepautre) orientiert. Stark überladene Ornamentik herrscht vor, vereinzelt finden sich auch reizvolle Details. Die eigene Schöpferkraft kommt in den Bildern vor allem bei den rahmenden Beiwerken, Emblemen und Einfassungen zum Vorschein, sie sind der künstlerisch interessanteste Teil der Blätter und gehören zum besten, was die Augsburger Druckgraphik hervorgebracht hat. Er bebilderte Werke mythologischen Inhalts, wie Ovids Metamorphosen. Neben einer Folge von Stichen nach Gemälden von Primaticcio mit Odysseethemen gab er auch eine Bildreihe mit Schauspielszenen heraus. Von seinen Architekturstichen wurden die Ansichten des Heidelberger Schlosses besonders bekannt. Außerdem fertigte er Ansichten von Nürnberg, Rom (Sankt Peter), Schönbrunn, Versailles (Garten- und Grottenanlagen) und Straßburg. Umfangreich sind seine Editionen im Bereich des Porträts. Es erschienen Stichfolgen mit Bildnissen des Kaisers Leopold I., des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Karl XI. von Schweden, sowie Serien mit zeitgenössischen Gelehrten und Geistlichen.  Auch seine Kalender mit Allegorien und Herrscherporträts fanden weite Verbreitung. Die Zahl der von Johann Ulrich Kraus eigenhändig gezeichneten und gestochenen Blätter beläuft sich auf wohl auf die 1.000 Stück.

  • Ein Portät des Lorenz Beger von Johann Ulrich Kraus im Jahr 1685 gezeichnet und gestochen
  • „Königliche Französische Tapezereyen…“ des Johann Ulrich Kraus. Im Jahr 1687 bei Jacob Koppmayer gedruckt
  • Chur-Bayerischer Atlas / Das ist: Eine Grundrichtige, Historische, und mit vielen schönen Kupfern und Land- Karten gezierte Abbildung, aller in dem hochberühmten Chur-Hertzogthum Ober- und Nieder-Bayern, auch in der Obern Pfalz ligenden vortrefflichen Städten, Märkt, und theils Schlösser, samt deroselben Ursprung, Fortpflanzung und andere merkwürdigste Bayrische Denk-Sachen, alle aus dem unverfälschten Grund der Antiquität enthalten.“ Band 1 aus dem Jahr  1687, herausgebracht von Anton Wilhelm Ertl mit etlichen bayrischen Stadt-, Markt-, Dorf- und Schlossansichten welche von Johann Ulrich Kraus gestochen wurden
  • „„Chur-Bayerischer Atlas / Das ist: Eine Grundrichtige, Historische, und mit vielen schönen Kupfern und Land- Karten gezierte Abbildung, aller in dem hochberühmten Chur-Hertzogthum Ober- und Nieder-Bayern, auch in der Obern Pfalz ligenden vortrefflichen Städten, Märkt, und theils Schlösser, samt deroselben Ursprung, Fortpflanzung und andere merkwürdigste Bayrische Denk-Sachen, alle aus dem unverfälschten Grund der Antiquität enthalten.“ Band 2 aus dem Jahr  1690, herausgebracht von Anton Wilhelm Ertl mit etlichen bayrischen Stifts-, Kloster-, Abtei- und Probsteiansichten, welche von Johann Ulrich Kraus gestochen wurden
  • „Der Irrgarten zu Versailles“ um 1690 bei Johann Ulrich Kraus in Augsburg erschienen
  • „Die Pfarren des Klosters Garsten“ mit 14 Kupfertafeln von  Johann Karl von Reslfeld im Jahr 1693 herausgebracht. Davon 5 Stiche von Johann Ulrich Kraus gestochen
  • „Biblisches Engel- und Kunst-Werck“ im Augsburg des Jahres 1694 durch  Johan Ulrich Krauss verlegt.
  • „Prospect deß neuen Gebäu und Gartens Schönbrunn … von J. B. Fischer 1696 geziechnet und dann von Johann Ulrich Kraus gestochen
  • „Neues / Reiß Buch / an Tag gegebn“, 49 Blätter des Johann Ulrich Kraus, um 1700 in Augsburg verlegt
  • „Historische Bilder-Bibel vorstellend der H. Patriarchen und Ertz-Vätter der Richter unter dem Volck Gottes; wie auch der Könige und Propheten Heiliger…“ von Johann Ulrich Kraus im Jahr 1702 verlegt
  • „Historische Bilder Bibel, vorstellend die Geschichte… Alten Testaments wie auch was in dem Neuen Testament beschriben… deßgleichen alle Englische Erscheinunge…“ erschien 1702 bei Johann Ulrich Kraus in Augsburg
  • „Augen und Hertzen belustigende Abbildungen der Höchsttröstlichen Historie, Wie der ewige Sohn Gottes … gebohren, … am Creutz gestorben, begraben worden … in künstlichen Kupffern … vorgestellet …“ im Jahr 1703 von Johann Ulrich Kraus verlegt. Nach dem Vorbild der 1682 bei Melchiar Küsels erschienen „Iconographia“
  • „Historische Bilder Bibel.“ von Johann Ulrich Kraus im Jahr 1705 verlegt
  • „Heilige Augen- und Gemüths-Lust, Vorstellend Alle Sonn- Fest- und Feyrtägliche Nicht nur Evangelien Sondern auch Epistelen und Lektionen.(Biblia).“ verlegt von Johann Ulrich Krausen im Jahre 1706 in Augsburg
  • „Favole Scelte… Auserlesene Fabeln … Fables Choisies. Aus dem Frantzösischen in das Italianische durch den Herrn de Veneroni, Sprach-Meistern zu Paris: und dann durch Herrn Balthasar Nickisch / Sprachmeistern zu Augspurg / ins Teutsche übersetzt. Alles mit (96)Kupffer-Stücken von Johann Ulrich Krauß,…“ 1707 verlegt in Augsburg durch Hrn. Brechenmacher
  • „Biblisches Engel- u. KunstWerck; alles das jenige, Was in Heiliger Göttlicher Schrifft Altes und Neuen Testaments Von den Heiligen…“ durch Johann Ulrich Kraus 1715 verlegt
  • „Anmuthige Augen-Belustigung, abgezielte Hertzens Ermunterung Unser Heyland Jesus Christus in senen so schmertz als schmählichen von Juden und Heiden unschuldigst ausgestandenen Leiden“ 1715 bei Johann Ulrich Kraus in Augsburg erschienen
  • „Studio d‘ Architettura Civile, oder Hohe Schul Bürgerlicher Baukunst“ (mit 53 Kupfern) von Alexander Specchis, im Jahr 1716 bei Johann Ulrich Kraus  verlegt

Quellenangaben:

  1. Deutsche Biographie zu Johann Ulrich Kraus (unter: http://www.deutsche-biographie.de/sfz44921.html)
  2. Graphische Sammlung Stift Göttweig (unter: http://www.gssg.at/gssg/displayDocument.do;jsessionid=69AC522A8AB07D0F4810E5AD6CBA104A?objId=Ac_004)
  3. www.europeana.eu (unter: http://www.europeana.eu/portal/record/08568/dokumente_html_obj67089556.html)
  4. bei Wikipedia zu Johann Ulrich Kraus, vom 08.11.2014 (unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Ulrich_Krau%C3%9F)
  5. Nebehay/Wagner, Nachschlagewerk „Bibliographie altösterreichischer Ansichtenwerke aus fünf Jahrhunderten