Linz – Urfahr um 1920

/Linz – Urfahr um 1920

Linz – Urfahr um 1920

   -historische Kartenbezeichnung: Erste oberösterr. Spiritus & Presshefefabrik von Josef Kirchmeir & Sohn / Urfahr-Linz –

-heutige Bezeichnung: Linz – Ferihumerstraße / Ecke Wildbergstraße

-heutige Lage oder auffällige Begebenheiten: ehemalige Fabrik in Linz – Urfahr in der Ferihumerstraße / Ecke Wildbergstraße

 

Das Areal der Firma Kirchmeir & Sohn lag wohl an der Ecke Ferihumerstraße / Wildbergstraße, wo seit ein paar Jahren neue Wohnhäuser stehen. Ursprünglich hatte der bürgerliche Schiffmeister, Brennholz- und Salzhändler Johann Michael Fink den Gstöttnerhof in Unterfelbern Nr. 3 in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts erworben. Fink errichtete hier eine Spiritus- und Presshefefabrik. Seine Erben verkauften die Anlagen an Josef Kirchmeir, der schon im Hörschingergut in der Freistädterstraße Nr. 8 mit drei oder vier Arbeitern eine kleine Branntweinbrennerei betrieben hatten. Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts erzeugten 24 Beschäftigte, ausschließlich Männer, knapp 3.000 hl Spiritus und fast 90.000 kg Hefe. Schon damals standen moderne Maschinen, darunter 4 Dampfkessel und 6 Dampfpumpen zur Verfügung. Zwei Dampfmaschinen, die zusammen 20 PS Leistung erbrachten, verbrauchten jährlich rund 1320 t Kohle. Nach dem Tod Josef Kirchmeirs 1891 erwarben Ludwig Ritter von Piccioni und Heinrich Mostny sämtliche zur Fabriksanlage zählenden Grundstücke. Der Betrieb wurde erweitert und ausgebaut. Mitte der neunziger Jahre reihte man Kirchmeir & Sohn mit einer Jahresproduktion von 5186 Hektoliter Alkohol als achtgrößten Betrieb innerhalb der gesamten Monarchie. Diese Erweiterung ist im Zusammenhang der Fusionierung mit dem Betrieb der Gebrüder Feigl, die ihren Betrieb in der Rudolfstraße wegen Bürgerprotesten aufgeben mussten, zu sehen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Urfahr zu einem Zentrum jüdischer Branntweinproduktion.

Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich der größte Teil der Branntweinbrennerei im Besitz und im Betrieb des herrschaftlichen Grundbesitzes. Die Tätigkeit übten fast ausschließlich jüdische Gewerbetreibende aus, da es Christen lange Zeit verboten war, diese teuflischen Getränke herzustellen. Die Pächter waren außerdem überwiegend Juden, weil die bäuerliche Bevölkerung den zumeist hohen Pachtzins nicht bezahlen konnte. Unmittelbar nach der Kundmachung der neuen Verfassung im Jahre 1849, die unter anderem jedermann die Freizügigkeit der Person, den Erwerb von Liegenschaften und die Ausübung jedes gesetzlich erlaubten Erwerbszweiges gewährte, setzte eine jüdische Binnenwanderung von den alten, überwiegend nach den stärker industrialisierten deutschsprachigen Regionen im Westen und im Donauraum ein. Zu den ersten Einwanderern zählte der spätere Bethausvorstand Moises Feigl. Er erwarb zunächst das Haus Ecke Kreuzstraße/Ottensheimerstraße, um hier eine Spirituserzeugung unterzubringen. Später übersiedelte er in die Rudolfstraße, doch auch hier – mitten im dicht verbauten Gebiet – musste er wegen immer stärker werdender Anrainerproteste abwandern. Doch Moises Feigl war nicht der einzige, es folgten Israel Veit-Fürth, später auch Leopold Mostny, Michael Fink und Comp., Löw&Adler, Gustav Töpfer, Moritz und Bernhard Taussig in Urfahr sowie Hahn&Kajka, Wilhelm Kantorek, Bernhard Kesselflicker in Linz. Sie waren die bekanntesten jüdischen Spirituosenhersteller.

Die Siedlungsortschaft „UNTER DEN FELBEN“ („Unterfelbern“) läßt sich seit dem 17. Jhdt. nachweisen und liegt ungefähr zwischen der Kirchengasse/Ferihumerstraße und der Eisenbahnbrücke/Linke Brückenstraße. Hier, Ecke Ferihumer-/Wildbergstraße lag das Gstöttnergut welches mit seiner näheren Umgebung zur Spiritus und Presshefefabrik um- und ausgebaut wurde.

 

Quellenangaben:

  • Geschichte des Donaugartens (unter: https://donaugarten.net/content/geschichte-des-donaugartens)
  • Linz Tour „Historische Radrundfahrt durch Urfahr Obere Donaustraße bis Wildbergstraße“ (unter: http://www.eduhi.at/bilder/linz/Rundgaenge/Rundgang_historisch/donaustrasse.htm)
      

 

Rechnung mit lithographischer Fabriksansicht

 

gezeichnet und zu Papier gebracht, von „unbekannt“ um 1920

herausgegeben auf einer Rechnung von Josef Kirchmeir & Sohn 1932

 

Preis: € 105,00 inkl. MwSt. (als Original)

Größe des Blattes: ca. 23,2 cm x 11,9 cm

Größe der Ansicht: ca. 17,5 cm x 7,1 cm

Bestellnummer: 212133

 

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2019-08-13T17:15:17+00:00